Die Geschichte Buenos Aires'

Der spanischer Matrose Juan Díaz de Solís war der erste Europäer, der den Río de la Plata 1516 zu Gesicht bekam, 1516. Seine Expedition wurde durch einen Angriff der Eingeborenen vom Stamm der Charrúa oder Guaraní jäh beendet; er wurde getötet und vermutlich verzehrt, denn die Eingeborenen waren Kannibalen.

Die Stadt Buenos Aires wurde zunächst als Santa María Del Buen Ayre am 2. Februar 1536 von einer spanischen Goldsucher Expedition unter Leitung von Pedro de Mendoza gegründet. Der Name wurde von Mendozas Kaplan gewählt, der ein frommer Anhänger der Virgine de Bonaria („Unsere Dame von den angenehmen Winden“) aus Cagliari in Sardinien war. Die Gründerstadt Mendozas lag im heutigen San Telmo Bezirk (im Süden des heutigen Stadtzentrums). Mehr Angriffe durch die eingeborenen Völker drängten die Siedler zurück und im Jahr 1541 wurde die Niederlassung aufgegeben. Eine zweite (und dauerhafte) Siedlung wurde 1580 von Juan de Garay gegründet; er segelte in den Paraná Fluss bin in die Nähe von Asunción hinauf, der heutige Hauptstadt von Paraguay.

Von ihren frühesten Gründungstagen an hing der wirtschaftliche Erfolg Buenos Aires vom Handel ab. Die spanische Überseeverwaltung des 17. und 18. Jahrhunderts beharrte darauf, dass aller Handel von und nach Europa durch Lima in Peru zu erfolgen hatte, damit Steuern erhoben werden konnten. Diese Regelung frustrierte die Händler von Buenos Aires und es entstand eine florierende Schmuggelindustrie. Bedauerlicherweise führte die Anordnung der spanischen Kronverwaltung auch zu einem tiefem Hass der Porteños (Bewohner von Buenos Aires)auf die spanischen Behörden.

Um die Instabilität der spanischen Überseegebiete abzubauen, erleichterte Carlos III von Spanien nach und nach die Handelsbeschränkungen und erklärte schließlich (Ende 1700) Buenos Aires zur Freihandelszone. All dies hatte jedoch nicht den gewünschten Effekt: die Porteños, welche z.T. den Gedanken der französischen Revolution anhingen, wollten die Unabhängigkeit von Spanien

.

Während der britischen Invasionen des Río de la Plata British nahmen britische Militärkräfte Buenos Aires zweimal im Zeitraum 1806 - 1807 ein, wurden aber von der lokalen Milize zurückgeschlagen. Schließlich, am 25. Mai 1810, vertrieben die Criollobürger von Buenos Aires erfolgreich den spanischen Vizekönig und bestellten eine Provinz Regierung; der 25. Mai ist nun nationaler Feiertag (Tag der Mai Revolution. Die formale Unabhängigkeit von Spanien wurde 1816 erklärt.

Buenos Aires war historisch gesehen Argentiniens Hauptverfechter der liberaler und Freihandelsideen, während viele der anderen Provinzen eine konservativere, dem katholischen Gedankengut nahestehende Meinung zu den politischen und sozialen Themen vertraten. Viele Spannungen in Argentiniens Geschichte, beginnend mit dem Konflikt der Zentralisten - Föderalisten des 19. Jahrhunderts, sind auf diese gegensätzlichen Ansichten zurückzuführen.

Im 19. Jahrhundert musste die Stadt Buenos Aires zwei Marineblockaden erdulden: zuerst durch die Franzosen, von 1838 bis 1840 und dann eine gemeinsame anglo-französische Blockade von 1845 bis 1848. Beide Blockaden erreichten ihr Ziel, die Übergabe der Stadt, nicht, und die fremden Mächte nahmen schließlich von ihrem Vorhaben Abstand.

In der Zeit, in der das Land begann, sich selbst zu verwalten, wurde der politische Status von Buenos Aires zu einem sensiblen Objekt. Viele wünschten sich Buenos Aires als Hauptstadt von Argentinien, doch war es bereits Hauptstadt der Provinz Buenos Aires. Von 1853 bis 1860 war die Stadt Hauptstadt des sich abspaltenden Staates Buenos Aires. Die Hauptstadtfrage wurde mehrfach auf dem Schlachtfeld diskutiert, bis schließlich im Jahr 1880 die Deklaration von Buenos Aires zur Hauptstadt Argentiniens erfolgte. Das Stadtgebiet wurde von der gleichnamigen Provinz abgetrennt und wurde Sitz der der Bundesregierung. Der Bürgermeister von Buenos Aires wird seither vom Präsidenten Argentiniens ernannt.

Der Eisenbahnaufbau nahe dem Ende des 19. Jahrhunderts erhöhte sich die ökonomische Kraft Buenos Aires, Rohstoffe flossen in die Fabriken und die Stadt wandelte sich zur multikulturellen Hauptstadt, die sich mit europäischen Hauptstädten vergleichen konnte. So war z.B. das Teatro Colón einer der führenden Opernschauplätze der Welt. Die Hauptalleen der Stadt wurden in jenen Jahren errichtet, und das endende 20. Jahrhunderts erlebte den Bau Südamerikas höchster Gebäude und den der ersten Untergrundbahn.

In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts war Buenos Aires ein bevorzugtes Ziel von Immigranten aus Europa, aber auch aus den ärmeren Provinzen und aus den Nachbarstaaten. Große Slums (villas miseria) wuchsen um die Industriezonen der Stadt; dies führte zu ernsthaften sozialen Problemen.

Während des 20. Jahrhunderts ergriffen die Militärs mehrmals die Macht und in dieser Zeit war Buenos Aires auch der Geburtsort des Peronismus: die jetzt legendäre Demonstration von 17. Oktober 1945 fand auf der Plaza de Mayo statt. Industriearbeiter aus den Vorstädten Buenos Aires waren die beste Unterstützung, die der Peronismus jemals hatte, und die Plaza de Mayo wurde zum Austragungsort für viele Demonstrationen und politische Ereignisses Argentiniens.

Am 16. Juni 1955, schickte das Militär in einem Putsch, der 3 Monate später den Präsidenten Perón stürzen sollte, Flugzeuge, die den Plaza de Mayo bombardierten und Zivilisten töteten. Das war das einzige Mal, an dem die Stadt aus der Luft angegriffen wurde.

In den siebziger Jahren litt die unter Kämpfen zwischen den dem linken Flügel angehörenden revolutionären Bewegungen (Montoneros, E.R.P. und F.A.R.) und der rechten paramilitärischen Dreiergruppe A, unterstützt von Isabel Peron, die 1974 nach Juan Perons Tod Präsident von Argentinien wurde.

Der Militärputsch von 1976, angeführt durch Jorge Rafael Videla, ließ den Konflikt eskalieren. Der „schmutzige Krieg“ forderte zwischen 10.000 und 30.000 Opfer, desaparecidos, Menschen, die entführt und vom Militär wären seiner Herrschaft getötet wurden. Nach Schätzungen belief sich die zahl der während und nach der Herrschaft Videlas in Internierungslagern gefangenen Menschen auf über 100.000. Die Schweigemärsche ihrer Mütter (Mütter der Plaza de Mayo) sind ein weithin bekanntes Bild von den Leiden Argentinien während jener Zeiten.

Buenos Aires wurde vom Papst John Paul II zweimal besucht: 1982 wegen des Ausbruchs des Falkland (Malvinas) Krieges und 1987. Der letzte Besuch mobilisierte Massen, die die Stadt vorher nicht gesehen hatte. Am 17. März 1992 explodierte eine Bombe in der israelischen Botschaft, die 29 Menschen tötete und 242 verletzte. Eine andere Explosion am 18. Juli 1994 zerstörte ein Gebäude, das einige jüdische Organisationen beherbergte und tötete 85 Menschen.

Am 20. Dezember 2004 forderte ein Feuer in der Diskothek República Cromagnon fast 200 Menschenleben, die größte (von Kriegen abgesehen) nicht natürliche Tragödie in der Geschichte Argentiniens. Wegen seiner Verantwortlichkeit für das Fehlen von Sicherheitskontrollen wurde Bürgermeister Aníbal Ibarra von dem Rat der Stadt am 6. März 2006 abgesetzt - im Anschluss an eine Anklage. Sein Stellvertreter, Jorge Telerman, der geschäftsführender Bürgermeister seit Dezember 2005 gewesen war, wurde sein Nachfolger.