Familienleben

      Familienleben

      Hallo,
      bin ganz neu hier. Hätte da mal eine bzw. mehrere Fragen. Ich war bisher dreimal in Argentinien (im Norden) bei einer Familie immer. Bei dieser Familie ist mir aber einiges im Gegensatz zu einem typisch deutschen Familien(zusammen)leben aufgefallen:
      Es leben in einer (größeren) Wohnung die Eltern (beide in den 70ern) und die beiden Töchter (beide ledig und in den 40ern) zusammen. Kochen tut aber fast ausschließlich der Vater, der körperlich (im Gegensatz zur Mutter) noch fit ist. Von den Töchtern ist eine berufstätig (von Mo. bis Fr.). Auto haben sie keines, auch niemand einen Führerschein. Die Mutter hatte früher einen, den sie aber gesundheitlich bedingt nicht mehr verlängern ließ.
      Für mich etwas ungewöhnlich ist aber, daß sie sich eine Putzfrau zweimal die Woche für etwas je drei Stunden leisten. Eine eigene Wohnung kann sich auch die berufstätige Tochter (3000 Peso netto monatl.) nicht leisten. Bei einer Feier in der Wohnung beim vorletztenmal waren die Fenster doch ziemlich schmutzig. Dann hat der Vater sie davor sauber gemacht (eher nur den Dreck verteilt und dadurch so richtig häßlich sichtbar gemacht).
      Auf meine Frage mal, ob denn in der Wohnung ein Staubsauger vorhanden sei, bekam ich von der jüngeren Tochter die Antwort: "Creo que si."
      Gefahren wird alles, was in einer Entfernung von mehr als ca. fünf Quadros ist, mit dem Taxi, oder was man dort so bezeichnet.
      Sport treiben ist unbekannt, die ältere Schwester hat auch schwerstens Übergewicht ("Me falta la respiracion.")
      Kochen ist für die ältere Schwester ein Grauen. Kann und will es nicht. Essen aber schon. Einmal fehlte vor dem Essen an ihrem Platz noch etwas. Dann sagte sie zu ihrem Vater: "vaso, cubierto!". Darauf sagte dieser: "Si, te traigo un vaso y un cubierto."
      Könnte jetzt noch weiter erzählen.
      Meine Frage ist:
      Ist das nun typisch für Argentinien?
      Oder ist diese Familie doch eher eine Ausnahme?
      Wie ausgeprägt ist in Argentinien eigentlich "Hotel Mama"?
      Wann verlassen Kinder im Schnitt die elterliche Wohnung?
      Wie steht es mit dem Respekt zwischen Eltern und Kindern?

      Darf und soll sich jeder dazu äußern, aber bitte nur mit einer entsprechenden Erfahrung dazu.
      Zusätzliche Informationen
      hola!
      Also wir leben nun 3 Jahre in San Martin de los Andes (Nordpatagonien).So ganz typisch ist diese Familie nicht. Dass beide Toechter keine Kinder haben ist abnormal hier. Die meisten haben zwischen 17 und Anfang 20 ihr erstes Kind.
      Das mit der Putzfrau ist schon typisch, hier haben die Leute auch noch eine obwohl sie staendig jammern das sie pleite sind.
      Junge leute koennen sich aus Kostengruenden keine Wohnung leisten. Es ist normal das man nur Arbeit fuer eine Zeitlang hat. ein festes Einkommen ueber Jahre ist ein Wunschtraum.
      Auch die Taxifahrten kann ich bestaetigen, laufen ist nicht so angesagt. obwohl Zeit ja keine Rolle spielt. Da wird dann auch mal ein Wochenlohn in eine Taxifahrt investiert.
      Alles in allem sind Argentinier daran gewoehnt Geld moeglichst schnell wieder los zu werden. Das mag auch an der Inflation liegen. Geld zu sparen lohnt sich daher auch nicht.
      Das Hotel Mama wuerde nie auf die Idee kommen die Kinder hinauszubefoerdern.
      Kinder haben einen hoeheren Stellenwert wie in Deutschland. Dabei werden sie aber auch oft genug verwoehnt. So aufwaendig und kostspielig wie hier der 1.Geburtstag einen Kindes gefeiert wird, unglaublich.
      Zumindest in der Stadt ist dieses Wohnmodell nicht ueblich.
      Wir koennen uns mit unserem Gaestehaus keine Putzfrau leisten. Haben das aber auch nicht erwartet. Die Menschen hier haben zum Glueck groesstenteils kein Zugang zu Kreditkarten. Man sieht ja in den USA was dann daraus wird.
      lieber arm und sexy!
      Saludos aus dem sommerlichen Patagonien
      Hallo,
      Wir sind Schüler von der Holmbergschule in Quilmes. Wir kommen alle aus der argentinischen Mittelklasse. Wir sehen in deinem Brief einige Vorurteil die wollen wir hier kommentieren.
      Du wunderst dich: In Argentinien hat man kein Auto aber eine Putzfrau. In dieser Familie ist nur die Tochter eine beruftätig Person, deshalb hat die Familie wenig Geld. Ein Auto ist in Argentienien sehr teuer, aber eine Putzfrau nicht.
      Du glaubst, dass die Argentiner sehr schmutzig sind, weil sie keine Staubsauger haben. Aber z.b bei uns zu Hause oder in einigen anderen Familien gibt es keinen Staubsauger und sie sind sauber. Drenk dran: In Argentienien gibt es wenig Teppichboden. Allgemein gibt es mehr Fliessen und Holzboden.
      In Argentienien ist das Taxi fast ein öffentliches Verkhrmittel. Es wird sehr viel genutzt und ist billiger als in Deutschland. Es ist fast wie in Deutschalnd Zugfahren.
      Du sagst, dass die Leute in Argentienien keinen Sport machen. Aber deine Gastfamilie ist eine Ausnahme. Die Argentinier machen viel Sport. Die Mehrheit spielt fussball und Rugby. Andere Personen spielen Handball, Tennis und Hockey. In unseren Familien machen alle Sport. Wir sind eine sehr sportliche Nation.
      Du kritisierst, dass die Kinder in Argentienen keinen Respekt vor ihren Eltern haben. Die kinder in deiner Gastfamilie sind sehr faul. Deshalb bitten sie ihre Eltern ihnen Dingen zu bringen. Das ist nicht normal.
      Du hast recht: Einige Kinder leben lange im Elternhaus. Aber das hat meistens finanzielle Gründe. Deshalb leben sie zusammen. Ausserdem ist in dieser Familie die Mutter krank. Deshalb passt die Tochter, auf sie auf.
      Zum Schluss möchten wir noch sagen: Hoffentilch hast du Argentienien jetzt besser kennengelernt und hast keine Vorurteile mehr.