Staat und Gesellschaft Argentiniens
Argentinien iste eine aus 23 Provinzen bestehende, föderalistische Präsidialdemokratie. Sie hat ein Zweikammersystem in der Legislative nach us-amerikanischem Vorbild: die Deputiertenkammer mit 257 Sitzen un den Senat mit 46 Sitzen. Die Amtszeit der Abgeordneten der Deputiertenkammer beträgt 4 Jahre, die des Senats 9 Jahre. Beide Häuser bilden den Nationalkongress. Er muss seine Zustimmung in beiden Häusern zu jedem Gesetzentwurf geben.
Die Parteienlandschaft Argentiniens besteht geganwärtig aus der neoperonistischen Pertei, der Partido Justicialista, PJ, der Bürgerpartei Unión Cívica Radical, UCR und dem Mitte-Links-Parteienbündnis Front für ein solidarisches Land, Frente Pais Solidario, Frepaso. Daneben existieren Splitterparteien.
Gouverneure verwalten die Proinzen Argentiniens. Größte Provinz ist Buenos Aires, 308000 km², kleinste Provinz ist Feuerland, 21000 km². Die Gouverneure werden von der Bevölkerung gewählt.
Allerdings gibt es in einigen Provinzen politische Familienclans und Vetternwirtschaft.
Das Wappen Argentiniens besteht aus einem von zwei Händen hoch gehaltenem Stab, auf dem eine rote, an die Jakobinermütze der Fanzösischen Revolution erinnernde Zipfelmütze steckt. Sie bildet das Zeichen der Unabhängigkeit. Hände symbolisieren den bundesstaatlichen Zusammenhalt. Die Sonne krönt das Staatswappen, sein Hintergrund bilden die Farben hellblau und weiss.
I. Die Zusammensetzung der Gesellschaft in Argentinien
Die Indianer als Ureinwohner
Argentinien wird - zu Recht - als der europäischte Staat Südamerkas bezeichnet.
In Argentinien leben etwa 34 Millionen Menschen. Vielleicht 80.000 davon sind noch den Ureinwohnern, den Indianern, zuzuordnen, die ethnischen Vermischungen bereits eingerechnet. Sie leben in den Außenregionen Argentiniens, in Misiones, der Puna und den patagonischen Voranden. Auch im Chaco findet man sie.
Den zahlenmäßig stärksten Stamm bilden die Mapuche, auch Araukaner genannt. Ihre Hauptwohnsitze haben sie in den Provinzen Neuquén und Rio Negro.
Die Gemeinschaft zum Schutz der Kultur der Ureinwohner, die Defensa de la Cultura Indígena, hat dazu beigetragen, dass die Mapuche im Jahr 1995 zum ersten Mal seit 100 Jahren wieder Kaziken wählten.
Der Landadel
Das System der ländlichen Adels wurde von den Spaniern nach Argentinien gebracht. Riesige Landgüter, die Estanzien, wurden geschaffen und bestehen bis heute fort.
Neue Einwanderer hatten kaum Gelegenheit in die Agrargesellschaft einzudringen. Städtegründungen im Landesinneren waren deshalb schwierig und sind meistens aus gegen das Indianerterritorium gerichteten Forts oder jesuitischen Gutshöfen hervorgegangen. Als Beispiel sind die Zuckerrohr Estanzien in Tucimán zu nennen.
Buenos Aires war der Ort, wo die Einwanderer aufgenommen wurden. Besonders Anfang des 20. Jahrhunders kamen die Menschen aus Europa dorthin. Den Hauptanteil der Immigranten bilden Italiener, gefolgt von Spaniern, dann Franzosen, Deutschen, Engländern, Polen und vielen mehr.
Der Mittelstand Argentiniens
Etwa 35 - 40 % der Bevölkerung Argentiniens ist dem Mittelstand zuzurechnen. Dadurch unterscheidet sich Argentinien soziokulturell von den anderen Ländern Südamerikas. Die Wirtschaftskriesen der vergangenen Jahren haben dem Mittelstand zwar arg zugesetzt. Er hat sich jedoch behaupten können. Viele Argentinier haben sich nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes selbständig gemacht.
Die Arbeiterschaft
Der große Anteil des Mittelstandes an der argentinischen Bevölkerung darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihm ein zahlenmäßig in etwa gleicher Anteil an Arbeiterschaft gegenübersteht. Dabei hat sich die Armut innerhalb der Arbeiterschicht in den letzten Jahrzehnten immer weiter ausgedehnt. Die Armen- und Elendsviertel um die großen Städte dehnen sich immer weiter aus. Die Armen werden immer ärmer.
II. Die Wirtschaft Argentiniens
Die Wirtschaft Argentiniens hat 2 Motoren: den Getreideanbau, die Viezucht. Wer kennt nicht das Argentinische Steak? Aber wer weiß, dass es 60 Millionen Rinder, 20 Millionen Schafe, 6 Millionen Ziegensind, die die argentinischen Weiden bevölkern? Und wer weiß, dass auf Argentiniens fruchtbaren Lößböden alles gedeiht: Weizen, Wein, Bananen, Tee, Zuckerrohr, Reis... Argentinien umfasst alle Klimazonen der Erde, folglich umfasst seine Anbaumöglichkeit auch alle möglichen Agrarprodukte.
Dei Weltbevölkerung wird nach Berechnungen auf 9 Milliarden Menschen im Jahr 2030 angestiegen sein. Die Nahrungsmittelproduktion muss deshalb um 75 % gesteigert werden, so die Berechnungen der Food and Agriculture Organization. Argentinien gehört sicherlich zu einem der Hauptprodukitonsländern für Nahrungsmittel. Die Exporte von Nahrungsmitteln sind in Argentinien von 1991 bis 1995 von 8,3 Mrd US Dollar auf 20 Mrd US Dollar geteigen. 30 % des Exportes geht in den Mercosur, 25 % in die EU. Dennoch ergibt sich im Vergleich mit der EU ein Handelsdevizit von 4 %, denn die Importe aus der EU betragen 29 % des argentinischen Importvolumens.
Argentinien exportiert jährlich Rindfleisch im Wert von 300 Mio US Dollar. 80 % dieser Fleischexporte gehen nach Deutschland!
Steigende Nachfrage nach Weizen und Baumwolle hat die Anbauflächen in Argentinien vergrößern und den Preis der Güter ansteigen lassen. Die schädliche Folge: extensive, bodenschonende Anbauweise und Bewirtschaftung geht in die intensive Bodennutzung nach europäischem Vorbild über. Künstliche Düngung und Schädlingsbekämpfung halten den Einzug. Rinderwahn und Tierseuchen gibt es (noch) nicht. In Europa ist der Rinderwahn aber auch erst durch intensive und falsche Tierhaltung entstanden. Doch auch in Argentinien gibt es bereits biologische Landwirtschaft.
Argentinien hat durch seine antizyklischen Klimaverhältnisse (im Vergleich zur Europäischen Lage auf der Erdnordhalbkugel) die Möglichkeit zum Export von frischen Saisonprodukten wie Birnen, Äpfel, Heidelbeeren, Avocados, Pistazien und viele andere.
Aber es gibt auch Industrie in Argentinien. Ein Schwerpunkt ist die Erdöl- und Erdgasförderung und -bearbeitung mit etwa 28 %igem Anteil. Der Anteil der Nahrungsmittelindustrie beträgt etwa 26 %, der der Maschinen- und Fahrzeugindustrie 13 %. 13 % entfallen auch auf die Textilindustrie.
Nach World Economic Outlook Database, IMF, April 2005, entwickelte sich das Bruttoinlandsprodukt Argentiniens wie in nachfolgender Tabelle dargestellt.
Den größten Anteil am Bruttoinlandsprodukt hatten die folgenden Wirtschaftszweige: produzierende Industrie 22%, die Landwirtschaft 10%, der Groß- und Einzelhandel 11% , die Vermietung von Gebäuden und Grundstücken 11%.
Jahr
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
Bruttoinlandsprodukt
Mrd. US $
364,85
392,31
431,19
452,75
443,75
449,84
440,33
398,84
442,04
484,23
Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen
Mrd. US $
258,03
272,15
292,86
298,95
283,52
284,20
268,70
101,45
127,30
151,94
Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen
Mrd. arg. Peso
258,03
272,15
292,86
298,95
283,52
284,20
268,70
312,58
375,91
447,31
Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen
US $
7421,42
7729,38
8213,20
8278,98
7753,39
7674,59
7170,02
2675,25
3316,90
3912,14
Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt zu konstanten Preisen
arg. Peso
6994,59
7288,56
7781,04
7979,20
7612,44
7457,72
7044,61
6202,89
6671,18
7184,41
Argentinien verfügt über große Reserven an Bodenschätzen. So exportiert Argentinien jährlich Erdöl im Wert von 1,8 Mrd. US Dollar, und zwar in erster Linie nach Braslien und Bolivien. Erdgas geht nach Chile. In Neuquén findet man das erste vertikal integrierte Erdgaskraftwerk der Welt. Es wurde auf ein Erdgasfeld gesetzt.
Ausländische Gesellschaften haben Schürfrechte für Kupfererze und Gold. Mehr als 40 Mrd US Dollar wurden von ausländischen Unternehmen in Argentinienin den letzten 15 Jahren investiert. Zu nennen sind Fertigungsbereiche für Automobile (etwa VW).
Mercosur - die Freihandelszone
Argentinien bildet mit Chile, Brasilien, Uruguay, Paraguay, Bolivien, Kolumbien und seit Dezember 2005 Venezuela eine Freihandeszone, den Mercosur. Kuba strebt eine Aufnahme an. Der Mercosur ist das viertstärkste Wirtschaftsgefüge der Erde, nach der NAFTA, der EU und Japan.
III. Die Kirche in Argentinien
Der Anteil an Katholiken in Argentinien beträgt 90 %. Jedoch nur etwa 14 % praktizieren ihren Glauben. Der hohe Anteil von Katholiken unter der argentinischen Bevölkerung ist auf den Nachlass der mittelalterlichen Besiedler des Landens und ihrer Nachfolger zurückzuführen, in erster Linie auf die Spanier, aber auch Italiener.
Einen Heiligen kennt in Argentinien jedes Kind: San Cayetano. Eigentlich lautet sein Name Gaetano de Thieme. Dieser Adlige wurde 1480 in Gatea, nördlich von Neapel, geboren und 1671 heilig gesprochen und widmete sein Leben den Armen und Kranken und dem Kampf gegen die Korruption. San Cayetano wurde zunächst in Neapel nach der dortigen Pestepedemie von 1656 zum Stadtpatron, dort natürlich unter dem Namen Gaetano. Der Name Cayetano ist "verspanischt". Gaetano war zudem Gründer eines Pfandleihhauses, aus dem die Bank von Neapel entstand - das wissen allerdings nur die wenigsten.
Um die Jahrhundertwende wurde die ersten Heiligenfiguren von Neapel nach Buenos Aires gebracht. Seitdem ist San Cayetano in Argentinien der Heilige der Vorsorge (Santo de la Providencia). Und natürlich beruft man sich grade in Kriesenzeiten immer wieder auf ihn: die Armen mit ihren Nöten in Form von Hunger, Arbeitslosigkeit und Schulden.
Die Kirche in Argentinien hat ein Problem: ihre Mitglieder schwinden, weil sie sich von ihr im Stich gelassen sehen. Denn traditionell stand sie immer auf der Seite der politischen oder militärischen Machthaber. Wie immer, wenn die Arbeiterschaft in Bedrängnis gerät, ist der Ruf nach dem Kommunismus nicht weit - vor allem, wenn der Ruf nach der Kirche vergebens ist.
Aber die Kirche kennt die Ursachen ihres Problems und geht dagegen - mitlerweile mit Erfolg - an. Zu nennen sind insbesondere das Engagement der Piester mit Bezug zur Arbeiterschicht, die offen für die Rechte und gegen die Not der Armen eintreten. Oder die Spontanfeiern vieler Pfarreien, die im Gegensatz zu den normalen Sonntagspredigen, viele Menschen in ihren Bann ziehen. In diesen Messen wird der Heilige Geist beschworen. Der Vatikan duldet dies. Kritiker sprechen von katholischem Macumba. Die pratkizierenden Priester hingegen sprechen von einer Demokratisierung der althergebrachten Kirchenstrukturen.
Auch die katholischen Bischöfe Argentiniens kreiden heute die Misstände, Arbeitslosigkeit, Ausbeutung der Arbeiter und Korruption an. Die Kirche geht auf Distanz vom Staat und hat sogar auf alle staatlichen Zuwendungen verzichtet, auf die es nach der Verfassung Anspruch hat.
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