Priester in Argentinien verurteilt
In Argentinien wurde ein Geistlicher wegen Beteiligung an Verbrechen der MilitĂ€rdiktatur vom argentinischen Bundesgericht in La Plata verurteilt. Der aus Deutschland stammende Christian Federico von Wernich wurde schuldig gesprochen: er war an an 42 EntfĂŒhrungen, 30 FĂ€llen von Folter und sieben Morden beteiligt. Das Gericht verhĂ€ngte lebenslange Haft. Wernich war wĂ€hrend der Diktatur Polizeikaplan. Nach Aussagen von Zeugen hatte er das Beichtgeheimniss mehrfach verraten und Geheimnisse an die MilitĂ€rjunta weitergegeben und war auch an Folterungen beteiligt.
Wernich flĂŒchtete 1996 nach Chile, doch Journalisten fanden ihn und er ging nach Argentinien zurĂŒck.
Sein AbschlussplĂ€doyer war ungewöhnlich; er ging nicht auf die Anschuldigungen ein, sondern zitierte Bibelstellen, die von “falschen Zeugen” und “vom Teufel inspirierten LĂŒgen” sprachen. Wernichs Verteidiger erklĂ€rte, die Beweise gegen seinen Mandanten seien dĂŒnn. Es liege ein deologisch motivierten Angriff auf die Kirche vor, welcher vom linken PrĂ€sidenten NĂ©stor Kirchner inspiriert sei.
Kirchner, der wÀhrend der MilitÀrdiktatur in der linken peronistischen Jugend aktiv war, hatte sich seit seinem Amtsantritt auf die Seite der Opfer gestellt und die AufklÀrung der Diktaturverbrechen gefordert.
Vor dem GerichtsgebÀude bejubelten Angehörige von Opfern das Urteil. Sie waren zu hunderten anwesend.
“Das ist ein historischer Tag, wir glaubten schon nicht mehr, das noch erleben zu dĂŒrfen”, Ă€uĂerte sich Titi Almeyda, eine der GrĂŒnderinnen der “Madres de Plaza de Mayo, MĂŒtter der Plaza de Mayo”. “Hiermit wird die Komplizenschaft der katholischen Kirche abgeurteilt.”
In der Zeit der argentinischen MilitÀrdiktatur wurden - so Angaben von Menschenrechtsorganisationen - 15.000 bis 30.000 Menschen getötet oder sie verschwanden spurlos.
Der 69-JÀhrige ehemalige MilitÀrgeistliche Wernich ist nun der dritte Verurteilte seit der Aufhebung der Amnestiegesetze im Jahr 2003 und der erste Geistliche darunter.
Die katholische Kirche erklĂ€rte ihre BestĂŒrzung ĂŒber die Beteiligung eines Priesters an solch schwerwiegenden Verbrechen, sieht dies jedoch als Einzelfall an.
“Jeder, der solche Verbrechen decke oder billige, sei dafĂŒr persönlich verantwortlich und sĂŒndige gegenĂŒber Gott und der Menschheit”, so die Kirche. Die Bischofskonferenz rief zur Versöhnung auf und erklĂ€rte, weder Straflosigkeit noch Hass seien der richtige Weg dorthin.
Der Prozess vor dem Bundesgericht hat die katholische Kirche in das Scheinwerferlicht der Ăffentlichkeit gebracht. Menschenrechtler werfen der Kirche vor, sie habe zu den Verbrechen geschwiegen und die Diktatur toleriert. So hatte auch ein Zeuge in dem Prozess bekundet, der Wernich ĂŒbergeordnete Bischof habe gewusst, dass der Kaplan an Foltersitzungen teilnehme.
Das vermeintliche Schweigen und die UntĂ€tigkeit der argentinischen Kirche finden sich in starkem Gegensatz zur AktivitĂ€t der katholischen Kirche in Chile und Brasilien. Dort hat sie die UnterdrĂŒckung der Bevölkerung durch die MilitĂ€rs verurtelt und den Opfern geholfen hatte. FriedensnobelpreistrĂ€ger Adolfo PĂ©rez Esquivel meint in diesem Zusammenhang, das die Zeit fĂŒr ein “Mea culpa”, reif sei. Die Kirche hatte trotz der seit langer Zeit bekannten VorwĂŒrfe keinerlei Straf- oder sonstige MaĂnahmen gegen Wernich eingeleitet.
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