Christina Kirchner stoppt Weizenexport
In Argentinien leben 40 Millionen Menschen. Dort werden aber Nahrungsmittel fĂŒr 300 Millionen Menschen produziert. Jetzt hat Argentinien seine Weizenexporte temporĂ€r gestoppt. Die Folge: Panik und Spekulation, was die Erhöhungen der Lebensmittelpreise anbelangt. Diese Auffassung vertritt JosĂ© Graziano da Silva, der Vorsitzender der 30. Regionalkonferenz der UN-Organisation fĂŒr ErnĂ€hrung und Landwirtschaft (FAO) in Lateinamerika und der Karibik. Sie wurde am 18.04.2008 in Brasilien beendet.
Lateinamerika stellt 40 % mehr Nahrungsmittel her, als es selbst benötigt. Kaum vorstellbar, dass es dort dennoch 50 Millionen Menschen gibt, die Hunger leiden. Dennoch ist dies Tatsache und die Ursache liegt in der unzureichenden Einkommensverteilung in den Bevölkerungen.
Argentinien will mit dem Ausfuhrstopp die Versorgung mit Weizen im Land sicherstellen und zugleich die Preise fĂŒr die wichtigsten Grundnahrungsmittel niedrig halten. Die argentinische Regierung plant, die die Exportsteuer auf Agrarprodukte zu erhöhen, insbesondere die Steuer auf Soja. Die AnbauflĂ€che fĂŒr Soja ist in den letzten 12 Jahren von 6,7 Millionen Hektar auf 16,9 Millionen Hektar gestiegen. Sie macht fast die HĂ€lfte der gesamten landwirtschaftlichen NutzflĂ€che aus. 95 Prozent der Ernte in Argentinien wird in andere LĂ€nder ausgefĂŒhrt; ein gutes GeschĂ€ft fĂŒr die Landwirte und den argentinischen Staat, der derzeit von Christina Kirchner als PrĂ€sidentin gefĂŒhrt wird.
Ihr Ehemann NĂ©stor Kirchner wurde im Mai 2003 StaatsprĂ€sident von Argentinien. Das Land steckte noch in einer Wirtschaftskrise. Der Weltmarktpreis fĂŒr die Tonne Sojabohnen lag seinerzeit bei 225 Dollar. Ein Jahr spĂ€ter war er auf rund 360 Dollar gestiegen, und Anfang des Jahres 2008 betrug er ĂŒber 500 Dollar. Christina Kirchner sieht die hohe Rendite bei Soja jedoch als Problem an. Sie verdrĂ€nge die andren Produkte. Kirchner möchte erreichen, dass die statt Sojabohnen mehr Weizen und Mais anbauen und mehr Fleisch und Milch herstellen.
Also: die höhere Exportsteuer sowie ein vielschichtiges System aus Vereinbarungen und Subventionen mit den Handelsketten und der weiterverarbeitenden Industrie soll dafĂŒr Sorge tragen, dass die Grundnahrungsmittel fĂŒr die Argentinier bezahlbar bleiben. Ohne diese staatlichen MaĂnahmen lĂ€ge beispielsweise der Brotpreis um 25 % höher als tatsĂ€chlich, so Wirtschaftsminister Martin. Milch wĂ€re gar 60 % teurer, Fleisch und GeflĂŒgel bis zu 50 % und der Preis von Speiseöl ĂŒber 300 %. Diese Zahlen sind ernĂŒchternd. Man muss sich klar machen: jeder Preisanstieg um 1 % bei den Grundnahrungsmitteln wĂŒrde 150.000 Menschen mehr unter die Armutsgrenze fallen lassen. Offiziellen zahlen zufolge leben 20 % der argentinischen Bevölkerung derzeit unter der Armutsgrenze.
Die Landwirte wollen sich ihr Soja-GeschĂ€ft nicht reduzieren lassen; sie reagierten auf die PlĂ€ne der Regierung mit Protesten und StraĂenblockaden ĂŒber Wochen. Regierungsvertreter und AgrarverbĂ€nde verhandeln jetzt wieder, doch bis zu einer Einigung wird es noch dauern.
Kritik an den PlĂ€nen der argentinischen Regierung ĂŒbt auch der argentinische Verbraucherschutz Centro de EducaciĂłn al Consumidor: “Dieses System aus Vereinbarungen und Subventionen fĂŒr die groĂen Firmen funktioniert nicht. Es wĂŒrden nur groĂe Staatsausgaben produziert, aber die Verbraucher wĂŒrden keine Wirkung spĂŒren. Sie hat wahrscheinlich nicht Unrecht, denn die Preise fĂŒr Nahrungsmittel steigen weiter. Die Regierung Christina Kirchner halt an ihrem Plan fest. Die Hinweise der FAO hat Kirchner bisher unbeantwortet gelassen und wann sie wieder Exportgenehmigungen fĂŒr Weizen ausstellt, ist nicht bekannt.
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