Die 10 verrücktesten Dinge über Argentinien

1. Argentinien ist kein Steak-Weltmeister mehr

63 Kilo Rindfleisch verzehrte ein Durchschnittsargentinier im Jahr 2015 – das sind umgerechnet ein Steak pro Tag und Einwohner (egal, wie alt). In Deutschland isst, statistisch gesehen, jeder Einwohner nur neun Kilogramm. Die Ausfuhr argentinischen Rindfleisches ist hingegen seit 2005 von 771.000 Tonnen auf 190.000 Tonnen stark zurückgegangen, im Welt-Vergleich ist Argentinien von Platz drei auf Platz elf gerutscht. Als Grund dafür sind Exportverbote und -beschränkungen der argentinischen Regierung zu sehen. Sie wollte auf diese Weise die die Versorgung der Bürger zu günstigen Preisen sicherstellen. Das ist ihr jedoch nicht geglückt. Im Gegenteil: in der argentinischen Pampa, der Heimat der Rinder, mussten tausende Viehzüchter aufgeben. Die Folge: heute kostet ein Kilo Rindfleisch heute rund sechsmal mehr Pesos als 2006 - in US-Dollar gerechnet doppelt so viel.

2. BMW verkauft argentinischen Reis

Der deutsche Automobilhersteller BMW ist einer der größten Reis-Exporteure Argentiniens. Warum? Weil die Regierung der Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner 2011 anordnete, dass ausländische Unternehmen, die Produkte ins Land importieren, Güter im gleichen Wert in die Welt ausführen müssen. Die Folge: Harley Davidson begann Wein zu verkaufen, Porsche wurde Händler von Olivenöl und Hyundai handelte mit Erdnüssen. Die weitere Folge dieser Import-Kompensationen: das iPhone gibt es in Argentinien so gut wie gar nicht, weil dessen Heresteller Apple keine Gegengeschäfte tätigen wollte.

3. In Buenos Aires wird Dollar schwarz getauscht

Die Fußgängerzone von Buenos Aires ist zur Schwarz-Tausch-Zone geworden. Passanten werden Pesos zum illegalen Tausch gegen Dollars und Euros angeboten. Seit die argentinische Regierung Kapitalkontrollen eingeführt hat, um den Devisenabfluss ins Ausland zu stoppen, haben argentinische Bürger kaum mehr die Möglichkeit Dollars oder Euros zu tauschen. Die Folge: der Schwarzmarkt blüht. Der der offizielle Wechselkurs steht gegenwärtig bei 8,10 Pesos je US-Dollar. Auf dem Schwarzmarkt bekommt man für den "Dólar blue" etwa 11,80 Pesos. Warum die Argentinier ihre Ersparnisse lieber in Euro und Dollar anlegen hat seinen Grund in der Teuerungsrate des Peso, gut 30 Prozent pro Jahr beträgt.

4. Ketchup oder Chimichurri

Argentiniens McDonald's-Filialen meldeten im Februar 2014 einen Ketchup-Mangel. Der Ketchup wird aus Chile importiert. Offiziell gab McDonald's damals keinen Grund für den Engpass an. Gemunkelt wird, dass die argentinische Regierung mit ihren Einfuhrbeschränkungen schuld an dem Ausverkauf gewesen sei. Das Problem war jedoch rasch beseitigt und seither fließt wieder Ketchup für alle. Auf die argentinische Alternative zum Ketchup, dem Chimichurri, einen Mix aus Olivenöl, Essig, Knoblauch und frischen Kräutern, hat McDonalds nicht zurückgreifen müssen bzw. wollen.

5. Buenos Aires ist die Hochburg der Psychotherapeuten

Genaue statistische Erhebungen weltweit gibt es nicht. Dennoch hat Argentinien wahrscheinlich die höchste Psychiater- und Psychologendichte auf dem Globus. Laut Statistiken der Universität Buenos Aires arbeiten etwa 79.000 Therapeuten in der ca. 40 Millionen Einwohner großen argentinischen Hauptstadt. Es kommen somit 197 Psychiater auf 100.000. Das sind siebenmal so viel wie etwa in Deutschland oder den USA, wo jeweils ca. 27 Psychotherapeuten auf 100.000 Einwohner kommen. Im Stadtgebiet von Buenos Aires. praktizieren rund 37.000 Psychologen und Psychiater - einer auf 79 Einwohner.

6. Die Bauern lagern Getreide ein

Argentinien hat eine sehr florierende Landwirtschaft, die Bauern setzten jährlich Milliarden um. So ist Argentinien der weltgrößte Exporteur von Zitronen, Mate, Sojabohnenöl und Sojamehl. Seit kurzem jedoch lagern viele Landwirte ihre Soja- und Maisernte lieber rund um ihre Gehöfte ein. Die Ernte kommt in sogenannte Silobolsas, meterlange, bis zu zwölf Tonnen schwere Plastiksäcke. Das geschieht aus Angst vor Inflation und einer weiteren Abwertung des Pesos.

7. Reich wie ein Argentinier

"Reich wie ein Argentinier" – man glaubt es kaum – diese Redewendung gab es einmal in Europa. Allerdings ist das schon einhundert Jahre her. Seinerzeit zählte das südamerikanische Land zu den zehn wohlhabendsten Staaten der Erde. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Zehntausende Flüchtlinge nach Argentinien- mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Heute hat sich die wirtschaftliche Situation der Argentinier grundlegend geändert. In Argentinien herrschen Inflation, Wirtschaftskrisen und Staatsbankrott. Die Währung ist schon mehrfach zusammengebrochen und die Regierung kämpft immer noch mit den Folgen der Wirtschaftskrise von 2002. Vor ein paar Monaten hat ein US-Gericht argentinischen Gläubigern, den Hedgefonds, Recht gegeben. Diese erkennen die Schuldenerlasse für die Staatsanleihen nicht an. Bleibt es bei diesem Urteil, steht die nächste Staatspleite vor der Tür

8. Kein Land hat mehr bezahlte Feiertage

In Argentinien können sich die Arbeitnehmer über 19 bezahlte gesetzliche Feiertage freuen. Das ist Weltrekord. In Deutschland gibt es je nach Bundesland zwischen 9 und 14 bezahlte Feiertage.

Ausgeglichen wird dies durch einen schmalen Urlaub. Junge Arbeitnehmer haben in Argentinien nur Anspruch auf 14 Tage pro Jahr. Zum Vergleich in Deutschland sind es mindestens vier Arbeitswochen, also im Normalfall 20 Urlaubstage.

9. Argentinien ist Rekordweltmeister

Die argentinische Nationalmannschaft ist Rekordweltmeister, allerdings nicht im Fußball, sondern im Polo. Bei neun Weltmeisterschaften hat sie bisher viermal den Titel gewonnen. Einmal wurde sie Zweiter, zweimal Dritter. Bei der letzten Weltmeisterschaft 2011 schlugen die "Gauchos" in einem Herzschlagfinale Brasilien mit zwölf zu elf. Auch bei der nächsten WM in Chile im März 2015 gelten sie als aussichtreichster Anwärter auf den WM-Titel.

10. Bald wird alles anders

Im Jahr 2015 muss Cristina Fernández de Kirchner nach zwei Amtszeiten die Casa Rosada, den Regierungspalast in Buenos Aires verlassen. Dann geht Argentiniens zweitbekannteste Politikerdynastie zu Ende. Auf jeden Fall vorerst.

Christina und ihr im Jahr 2010 verstorbener Ehemann Nestor Kirchner haben das Land seit 2003 regiert. Aber es gibt einen Erben: der Sohn der Kirchners Máximo hat sich bereits als Vorsitzender der einflussreichen peronistischen Jugendorganisation "La Cámpora" ins rechte oder besser linke Licht gerückt.

Die nächsten 10 crazy facts über Argentinien

Das war aber noch nicht alles. Hier haben wir noch weitere 10 kuriose Dinge, die es über Argentinien zu berichten gibt.

In zwei Monaten fünf Präsidenten

Von Dezember 2001 bis Januar 2002 hatte Argentinien fünf Präsidenten. Es war die Zeit, als Argentiniens Wirtschaft zusammenbrach, nachdem der Staat 9,7 Milliarden Euro Schulden nicht zurückzahlen konnte. Der Präsident Fernando de la Rua trat im Dezember 2001 zurück. Eduardo Duhalde wurde im Januar 2002 ins Amt gehoben, nachdem zuvor drei weitere Präsidenten für einige Tage im Amt waren.

Christina Fernández de Kirchner

Jeder hat, so sagt man, ein Laster. Die aktuellen Präsidentin, Cristina Fernandez de Kirchner (CFK) sind es die Shoppingsucht und zahlreichen Schönheitsoperationen. Nach einem Treffen mit dem seinerzeitigen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, kaufte sie in Paris z.B. 20 Paar Louboutin-Schuhe und einige Designer-Taschen ein.

Inflation

Die Bevölkerung hat nicht das größte Vertrauen in ihre Regierung, jedenfalls glaubt sie nicht, dass die von ihr veröffentlichte Inflationsrate korrekt ist. Sie soll 10 Prozent betragen. Die Zahlen unabhängige Ökonomen lauten hingegen 25 – 30 Prozent. IWF-Präsidentin Christine Lagarde mahnte die Politiker Argentiniens keine Falschaussagen zu tätigen.

Eigene Brauerei

Einige politische Parteien in Argentinien brauen zwar nicht, aber haben ihr ganz persönliches Bier. Die "Peronisten" (zurückgehend auf Juan und Evita Peron) waren die ersten, die ein Bier nach der ehemaligen First Lady benannten. Auch die derzeitige Staatschefin Cristina Fernandez de Kirchner und ihr Ehemann Nestor Kirchner werden mit einem Bier geehrt, dem "Double K".

iPhone, iPad und Co

Apple-Produkte erhält man in Argentinien kaum, und wann, dann nur zu dreifachen des US-Preises. Die argentinische Regierung blockiert den Import schon seit einigen Jahren, um die eigene Elektronikproduktion anzukurbeln. Nun ist es nicht verwunderlich, dass es viele iPhone-Kopien auf dem Markt gibt.

Dollars

Um aus Argentinien auszureisen, benötigen die Argentinier Dollars. Diese zu bekommen, ist jedoch nicht einfach. Man muss genauestens deklarieren, wohin, wann und warum man ausreisen will. Auch nach stundenlangem Warten und vielen ausgefüllten Dokumenten kann es vorkommen, dass die Dollar-Noten von der Bank nicht ausgehändigt werden. Argentinien will einen Devisenschwund verhindern.

Reger Tauschhandel

Die Argentinier haben kein Vertrauen in die eigene Währung, den Peso. Sie befürchten, dass ihre Wirtschaft wieder zusammenbrechen könnte. Also decken sie sich mit einem Dollarvorrat ein. Doch seit den strikten Einschränkungen, die für den Umtausch gelten, gehen viele in den Untergrund. Auch eine virtuelle Währung, die Bitcoins, wird bei Argentiniern immer beliebter.

Legal in Uruguay

Legal kann man Dollars während einer kurzen Reise nach Uruguay tauschen. Viele Argentinier kommen mit einem Rucksack voll Dollars zurück. Colonia de Sacramento ist nur eine Fährstunde von Argentiniens Hauptstad Buenos Aires.

Pfändung

Zwei Wochen lang wurde eine argentinische Fregatte in Ghana festgehalten, nachdem ein Hedge-Fond-Manager bei einem Gericht beantragt hatte, die "Libertad" zu beschlagnahmen, also zu pfänden. Der Grund: Argentinien hatte sich geweigert, die den Hedge-Fonds geliehenen 1,03 Milliarden Euro zurück zu zahlen. Das Kriegsschiff nahm sollte als Pfand dienen.

Charterflüge

Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner nutzt bei Reisen nicht mehr ihre Privatjet sondern nur noch Charterflüge. So entgeht sie der Gefahr, dass ihr Flugzeug gepfändet wird. 2013 buchte sie einen Flug nach Indonesien für knapp 600.000 Euro.