Flagge Argentiniens

Die Nationalflagge Argentiniens stammt aus dem Jahr 1812. Es ist ein Dreiband, die sich aus drei gleichbreiten horizontalen Bändern in den Farben himmelblau (span: celeste), weiß, himmelblau zusammensetzt. 1818 wurde die gelbe Inkasonne oder Mai-Sonne in die Mitte hinzugesetzt.

Diese Sonne weist jeweils abwechselnd 16 gerade und 16 geflammte Sonnenstrahlen auf. Einer Überlieferung zufolge wurde Manuel Belgrano zu diesem Symbol angeregt, als er während der Schlacht von Paraná in den Himmel blickte. Das Sonnensymbol wurde auch schon in früheren Flaggen Argentiniens verwendet und ist auch Teil des Landeswappens. Die Darstellung der Sonne ist laut gesetzlicher Verordnung identisch mit der Sonne, die auf den ersten argentinischen Münzen abgebildet ist. (Die Verwendung der Inkasonne auf Münzen ist ab April 1813nachgewiesen.) Die Sonnenscheibe mit einem von Sonnenstrahlen umrahmten Gesicht symbolisierte in der Inka-Mythologie den Sohn Inti des göttlichen Schöpfers Viracocha.

In früheren Zeiten benutzte man die Flagge ohne Sonne in Zeiten des Friedens, die Flagge mit der Inkasonne in Zeiten des Krieges. Danach ging man dazu über, die Flagge mit Sonne bei offiziellen Anlässen zu nutzten, die ohne bei privaten Anlässen. Heutzutage können beider Varianten beliebig verwendet werden.

Die Flagge hat eine besondere Bedeutung für die Bevölkerung Argentiniens. Die heute in Argentinien lebenden Menschen stammen nicht von den dortigen Ureinwohnern ab, sondern ihre Vorfahren kamen meist aus europäischen Staaten. Durch die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe sind nationale Symbole, also besonders die Flagge und die Nationalhymne, für die Identifikation mit der Heimat sehr wichtig. Die Bedeutung der Flagge zeigt sich auch gerade in der Schule. Dort wird die Flagge allmorgendlich unter Anwesenheit aller Schüler gehisst und abends wieder eingeholt. Bei jedem schulischen Akt ist die Flagge gegenwärtig. Der beste Schüler der Schule hat das Amt des Abanderado, des Fahnenträgers, inne. Dieses Amt ist eine besondere Auszeichnung.

Die offiziellen Farben und Maße der Flagge

Seit 1978 lauten die offiziellen Proportionen der argentinischen Flagge 9:14, die offizielle Größe ist 0,9 x 1,4 Meter. Jeder der drei Streifen ist 30 cm hoch. Die Sonne in der Mitte wird nach dem Sonnengott Inti der Inkas gebildet.

Die Geschichte der argentinischen Flagge

Während des argentinischen Unabhängigkeitskrieges gegen die Spanier befehligte General Manuel Belgrano in einer Schlacht nahe Rosario. Er stellte fest, dass beide Kriegsparteien, sowohl die Königlichen als auch die Freiheitskämpfer dieselben Farben verwendeten, das spanische gelb und rot. Aus diesem Grund schuf Belgrano eine eigene, neue Flagge mit den Farben, die die Criollos während der Mairevolution 1810 trugen. - So die Überlieferung.

Jüngste Forschungen legen jedoch nahe, dass die Farben von den Uniformen der Bourbonen, der königlichen spanischen Familie, stammen und dass während der Mai-Revolution die Farben, die die Criollos trugen, ein rotes Stück Stoff war - so der bekannte Historiker Felipe Pigna. Auch scheint die ursprüngliche Flagge sich sehr von der heutigen zu unterscheiden: sie hatte zwei vertikale Streifen, einen blauen und einen weißen.

Die argentinische Flagge wurde zum ersten Mal am 27.Februar 1812 vom Freiheits-Bataillon (Batería Libertad) verwendet: die Soldaten schwuren nahe des Paraná Flusses und der Stadt Rosario ihren Treueeid bei der Einweihung einer Festung. An jenem Tag sprach Belgrano die folgenden Worte:
"Soldaten des Vaterlandes, heute haben wir die Ehre, die nationale Kokarde tragen zu dürfen; dadurch werden unsere Waffen ihren Ruhm vergrößern. Last uns schwören, unsere Feinde von innen und außen zu besiegen; und Südamerika wird der Tempel der Unabhängigkeit und der Freiheit werden. In der Überzeugung, dass ihr dies schwört, sprecht mir nach: Lang lebe das Vaterland! (nach dem Treueeid:) Herr Kommandant und ihr Truppen, die ihr zum ersten Mal für das Bataillon "Unabhängigkeit" auserwählt wurdet: geht und nehmt Besitz von ihm und erfüllt den Eid, den ihr grade geleistet habt."

Belgrano setze einen Brief an die erste Militär-Junta auf, in dem er sie über die neu kreierte Flagge informierte. Die Junta, die die Spanische Krone fürchtete, sandte eine Warnung an Belgrano, nicht unter der Flagge zu kämpfen. Doch noch bevor die Antwort Belgrano erreichen konnte, war er ausgerückt und die Flagge wehte auf dem Schlachtfeld.

Belgranos Brief lautete:
"Weil es notwendig war eine Flagge zu haben und weil ich keine hatte, befahl ich, eine aus weiß und himmelblau zu fertigen, in den Farben, die die nationale Kokarde aufweist. Ich hoffe auf Ihre Zustimmung."

Am 2. Jahrestag der Mairevolution, am 25.5.1812 ließ Belgrano in San Salvador de Jujuy die Flagge erneut hissen. Die Regierungsjunta sah das als Befehlsverweigerung an und forderte am 27.Juni erneut, die Flagge nicht zu verwenden. Am 18.7.1812 erklärte Belgrano, dass er die Flagge einholen und sie bis zum Tag des letzten Kampfes nicht verwenden werde.

Am 23.12.1812 wurde die Flagge zum ersten Mal in Buenos Aires gehisst, und zwar am Turm der Saint Nicholas von Bari Kirche, wo heute der Obelisco steht.

Am 25.5.1812, dem 2. Jahrestag der Mairevolution von Buenos Aires, ließ Belgrano eine weiße Fahne mit dem Siegel der Souveränen Versammlung fertigen und in der Hauptkirche von Sal Salvador de Jujuy einsegnen. Die erfolgte durch den Domherren Juan Ignacio de Gorriti. Er nannte die Flagge Bandera Nacional de Nuestra Libertad Civil und übergab sie dem Volk von Jujuy 1813 zum Dank für die dessen Hilfe im Unabhängigkeitskrieg, vor allem in der Schlacht bei Salta. Diese Flagge ist heute die Flagge der Provinz Jujuy und wird im Flaggensaal des Gouverneurspalastes von Jujuy verwahrt.

Das Siegel auf der Flagge zeigt in seiner Mitte zwei sich schüttelnde Hände. Sie sind das Symbol für die die Einigkeit und Brüderlichkeit der argentinischen Provinzen. Die beiden Hände halten gleichzeitig einen Stab, auf dem eine phrygische Mütze ruht. Der Stab symbolisiert die Bereitschaft zur Verteidigung der Freiheit. Die Mütze stellt eine Anlehnung an die Jakobiner während der Französischen Revolution dar; sie ist Symbol für die republikanische Gesinnung der Argentinier. Der zweigeteilte Hintergrund der Hände ist in den Farben hellblau und weiß gehalten, den Farben des Himmels. Am oberen Rand der Ellipse erkennt man eine aufgehende Sonne, das Symbol, das sich auch auf der Flagge Argentiniens wiederfindet. Die aufgehende Sonne stellt den Aufstieg Argentiniens dar. Um die Ellipse herum rankt sich Lorbeer, das Zeichen des Sieges im Unabhängigkeitskampf.

Belgrano fertigte noch eine dritte Flagge, im Januar 1813. Dies sollte - so der Wille der Regierung - eine Flagge für die Streitkräfte, keine Staatsflagge sein. Sie hatte nur 2 Streifen. Das Volk sah dies jedoch anders und wollte die Flagge als Nationalflagge. Am 13.2.1813 wurden erstmals Truppen auf die Flagge vereidigt. Am 20.2.1813 wehte die Flagge erstmals in einer Schlacht. Am 13.11.1813 wurde diese Fahne jedoch zum letzten Mal verwendet - in der Schlacht von Ayohuma.

Nach der Unabhängigkeitserklärung vom 9. Juli 1816 durch den Kongress von Tucumán (die Provincias Unidads del Río de la Plata erklärte sich von Spanien unabhängig) wurde die Flagge am 20. Juli 1816 durch Beschluss als Symbol und Nationalflagge vom Argentinischen Nationalkongress übernommen:
"Nachdem die Vereinigten Provinzen in Südamerika durch die feierliche Erklärung ihrer Unabhängigkeit in den Rang einer Nation aufgestiegen sind, sei ihr besonderes Erkennungszeichen die hellblau-weiße Flagge, welche bisher und in Zukunft ausschließlich durch das Militär, auf Schiffen und in Festungen als mindere, provisorische Flagge geführt wurde bzw. geführt wird; je nachdem welche entsprechend den gegenwärtigen Diskussionen als zweckmäßigste Regierungsform für das Territorium bestimmt wurde, werden dieser entsprechend die Symbole der großen nationalen Flagge festgelegt.
An diejenigen übermittelt, die mit der Veröffentlichung betraut sind, durch Francisco Narciso de Laprida, Präsident. Juan José Paso, Abgeordneter und Schriftführer."

José de San Martín, der südamerikanische Freiheitskämpfer, und seine Ejército de los Andes, seine Andenarmee, benutzen in den Jahren 1817 und 1818 eine Flagge, die lediglich einen hellblauen und einen weißen Sreifen enthielt. Der dritte hellblaue Streifen fehlte. Dies, obgleich der Kongress die hellblau-weiß-hellblaue Fahne übernommen hatte. Die Flagge trug das Siegel der Regierung. Sie ist heute die Flagge der argentinischen Provinz Mendoza.

Der Oberste Direktor der Regierung, Pueyrredón, beantragte am 9.Januar 1818, dass die Regierung bestimmen möge, wie die Flagge zu verwenden sei. Am 25. Februar 1818 erklärte der Kongress, die Nationalflagge solle wie bisher 2 Farben haben, weiß und blau (hellblau). Die Kriegsflagge solle eine Sonne in der Mitte haben.

Bis 1830 wurden viele Varianten der Flagge, sowohl offiziell als auch inoffiziell, verwendet. Falsche Ausgaben, obwohl häufig genutzt, waren solche, in denen die Sonne etwas nach links geschoben war oder in die hellblauen Streifen hineinragte.

Im Jahr 1825 wurde der Name República Argentina (Republik Argentinien) zum ersten Mal verwendet. Zuvor war ausschließlich der Ausdruck Provincias Unidas del Rio de la Plata (Vereinigten Provinzen des Río de la Plata) verwendet worden.

Juan Manuel de Rosas war seit 1828 Befehlshaber der Landbevölkerung und Anführer der Föderalisten im Kamp gegen die Unitarier. Im Dezember 1829 wurde er zum Gouverneur von Buenos Aires gewählt. 1835 wurde diese Wahl erneuert; er wurde außerdem Generalkapitän. In einem begrenzten Zeitraum verfügte er auch über außerordentliche Befehlsgewalt, hatte also quasi die Macht eines Diktators.

Mit der Ära Rosas änderten sich auch die Farben der Flagge. Rosas konnte das Hellblau nicht leiden, da es von den Unitariern verwandet wurde. Darum wurde nun ein dunklerer Farbton verwendet. Im Jahr 1836 wurden vier Jakobinermützen auf Stäben in die Ecken der Flagge hinzugefügt. Nur kurz später ersetzten Pfeile die Stäbe und die Sonne bekam rote Sonnenstrahlen. Ab 1840 wurde die Sonne vollständig in rot gezeichnet. Frankreich, Großbritannien, Paraguay, Uruguay und Brasilien erklärten Argentinien unter Rosas den Krieg, weil Rosas die Unabhängigkeit Uruguays nicht anerkennen wollte. Argentinien unterlag und Rosas wurde 1853 von dem Unitarier Justo José de Urquiza abgelöst.

Sowohl die Confederación Argentina, die Argentinische Konföderation als auch das eigenständige Buenos Aires gaben sich wieder die traditionelle hellblau-weiß-hellblaue Flagge. Im Jahr 1862 beendete Buenos Aires seine Eigenständigkeit und gliederte sich den anderen Provinzen wieder an. Die Zentralgewalt in Argentinien wird stärker, was ich durch einen "Rückzug" der Flaggen der Provinzen ab 1862 bemerkbar mache.

Der argentinische Präsident Julio Argentino Roca erlässt im Jahr 1885 ein Dekret, nachdem die Flagge mit der Sonne auch an öffentlichen Gebäuden zu verwenden ist. Damit ist nun keine Kriegsflagge mehr. Im Jahr 1943 wird letzteres durch ein Dekret bestätigt. Die Flagge ohne Sonne sollen nun die Bürger für private Zwecke nutzen. Seit 1985 dürfen auch die argentinischen Bürger die Flagge mit der Sonne verwenden. Dies bestimmt das Gesetz Nr. 23.2008: "...das Recht die offizielle Flagge der Nation zu gebrauchen, haben die föderale Regierung, die Regierungen der Provinzen und des Nationalterritoriums Feuerland (Anm. d. Red: jetzt Provinz Feuerland), Antarktis und Inseln im Südatlantik, sowie auch Einzelpersonen, wenn sie ihr immer angemessenen Respekt und Ehrerbietung zollen."

Einfluss der argentinischen Flagge auf die Flaggen anderer Länder

Der argentinische Kommandant Louis Michel Aury leitete Marineeinsätze. Dadurch wurde die argentinische Flagge Vorbild für die blau-weiß-blaue Flagge des ersten unabhängigen Staates Zentralamerikas. Dieser Staat wurde 1818 gegründet. Er befand sich auf der Insel Providencia, die vor der Ostküste des heutigen Nicaraguas liegt. Großkolumbien übernahm 1821 die Kontrolle über diese Insel.

1823 wurde die argentinische Flagge Vorbild für die Fahne der Provincias Unidas del Centro de América, der Zentralamerikanischen Konföderation. Das war ein Staatenbund, die die mittelamerikanischen Staaten Guatemala, Honduras, El Salvadaor, Nicaragua und Costa Rica umfasste. Er bestand zwischen 1823 und 1838. Die argentinische Flagge findet sich auch noch heute in den Flaggen dieser Länder wieder.

Die erste Flagge der República Oriental del Uruguay ähnelte der heutigen Flagge der argentinischen Provinz Entre Ríos, das Blau war allerdings etwas dunkler. Sie heißt Flagge Artigas'. Die heutige Flagge Uruguays ist anders aufgebaut, hat aber immer noch blaue und weiße Streifen und trägt die Maisonne.

Während des Unabhängigkeitskrieges wurde die argentinische Flagge auch in Chile getragen.

Tag der argentinischen Flagge

Der 20. Juni ist der Tag der Flagge, el Día de la Bandera. Es ist der Todestag von Manuel Bandera. Der argentinsche Präsident Robeto María Ortiz verabschiedete am 8. Juni 1938 ein entsprechendes Dekret.

Es finden in ganz Argentinien an jedem 20. Juni Feierlichkeiten zu Ehren der Flagge und Manuel Belgranos statt. Die Argentinier hängen die Fahne aus den Fenstern, binden sich kleine Schleifen in den Farben der Flagge an. In den Schulen bekunden die Schüler jeder 4. Klasse ihre Loyalität zur Flagge:

"

Kinder, die hellblau-weiße Flagge wurde gottlob noch niemals an den Siegeswagen eines irdischen Siegers gebunden.
Kinder, diese glorreiche Flagge repräsentiert das Vaterland der Argentinier. Versprecht Ihr, ihr Eure aufrichtigste und respektvollste Ehrerbietung zu bezeugen, sie mit großer Liebe zu lieben und sie von Anbeginn des Lebens mit eifriger und unauslöschlicher Verehrung in Euren Herzen zu tragen; Ihr werdet mit Beginn der Schule vorbereitet, zu gegebener Zeit mit aller Reinheit und Ehrlichkeit, die noblen Tugenden, die der Staatsangehörigkeit innewohnen, zu praktizieren, mit Eifer die Geschichte unseres Landes und ihrer Wohltäter zu studieren, um in ihre leuchtenden Fußstapfen zu treten und um auch die Flagge zu ehren und damit niemals in Euren Seelen das zarte und großzügige Gefühl der Vaterlandsliebe sterbe. In einem Wort: Gelobt Ihr, dass Ihr alles, was in Eurer Macht steht tun werdet, damit die argentinische Flagge für immer über unseren Mauern und Festungen und hoch an den Masten unserer Schiffe und vor unseren Legionen wehen werde und dass die Ehre ihr Atem, der Ruhm ihre Aureole und die Gerechtigkeit ihr Wahlspruch sei." Die während dieses Versprechens stillstehenden Kinder antworten: "Ja, ich verspreche". Am 20. Juni 1957 würde das Monumento Nacional a la Bandera, das Nationale Denkmal der Argentinischen Flagge in Rosario der Öffentlichkeit vom damaligen Präsidenten Pedro Eugenio Aramburu übergeben. Seither finden dort die zentralen Feierlichkeiten statt.

Am 20.Juni 2001 wurde eine 3500 m lange Flagge präsentiert, am 20. Juni 2006 eine von 10.000 Metern. Diese Alta en el Cielo (Hoch im Himmel) ist damit die längste Flagge der Welt.

Mythen um die argentinische Flagge

Die verbreiteteste Interpretation der Flagge Argentiniens ist, dass sie den Himmel, die Wolken und die Sonne repräsentiert. Eine andere Überlieferung besagt, dass das Blau der Flagge den Río de la Plata, den Silberfluss symbolisiert, das Weiße das Silber (so entstammt der Name Argentinien dem lateinischen Wort argentum, Silber). Eine weitere Geschichte besagt, dass die Farben auf jenen des Hauses der spanischen Bourbonen basieren. Auch die Jungfrau Maria ist im Spiel, denn es wird auch erzählt, die Farben stammten von ihrer Kleidung.

Kein Mythos ist, dass Evita, also Eva Perón, die Ehefrau des früheren Präsidenten Juan Domingo Perón, die teuerste Flagge Argentiniens besaß. Es ist eine Brosche; sie besteht aus Platin, Diamanten und Saphiren und ist lediglich wenige cm² groß. Diese Flaggen-Broschen wurde 1998 für 900.000 US-Dollar im Auktionshaus Christie‘s versteigert.