Evita und Juan Domingo Perón

Der wohl bekannteste Argentinier ist ohne Zweifel Juan Domingo Perón. Die wohl bekannteste Argentinierin ist - auch ohne Zweifel - Evita Perón. Wer von beiden bekannter ist, darüber lässt sich streiten. Wer von beiden beliebter war, darüber nicht. Das ist und war die Frau des Präsidenten: Evita.

Evita: Don't cry for me, Argentina

"Don’t cry for me, Argentina" . Dieser Hit aus dem Musical "Evita" von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice setzte ihr ein Denkmal. Das Musical wurde später von Alan Parker mit der Sängerin und Schauspielerin Madonna in der Hauptrolle verfilmt.

Juan Domingo Perón Sosa wurde am 8. Oktober 1895 in Lobos in der Provinz Buenos Aires geboren und starb am 1. Juli 1974 in Buenos Aires. Er war zweimal Präsident Argentiniens. Nach einer Laufbahn als General und Minister in einer Militärregierung gewann er zum ersten Mal 1946 die Präsidentschaftswahlen. 1955 wurde er nach seiner Wiederwahl 1951 vom Militär gestürzt. Zum zweiten Mal wurde er im Oktober 1973 wieder zum Präsident gewählt, wenige Monate vor seinem Tod.

Peróns Vater war der Viehzüchter Mario Tomás Perón, seine Mutter war Juana Sosa. Die Familie des Vaters kam aus Sardinien, die seiner Mutter aus Kastilien.

Peróns Karriere begann mit seinem Eintritt ins Militär. Er besuchte im Jahr 1911 eine Offiziersschule des argentinischen Heeres und beendete diese Ausbildung als Unterleutnant der Infanterie. Perón begann, Bücher zur Militärgeschichte und über die Kriegswissenschaft zu verfassen. Von 1926 bis 1929 studierte er an der Militärhochschule Argentiniens, der Escuela Superior de Guerra.

Eva Duarte

Doch zuerst zu Eva Duarte. Maria Eva Duarte wurde am 7. Mai 1919 im argentinischen Dorf Los Toldos geboren. Sie ist das fünfte uneheliche Kind des Estancieros Juan Duarte (1872-1926). Ihre Mutter war die unverheirateten Köchin Juana Ibarguren (1894-1971). In der Schule wird sie ob ihrer Herkunft gehänselt. Sie entflieht deshalb im Alter von 15 Jahren nach Buenos Aires.

Eva Duarte wollte Schauspielerin werden, wurde aber zunächst Modell, später Radiomoderatorin und schließlich bekommt sie Nebenrollen in Kitschfilmen.

1944 lernte sie auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung den 48 Jahre alten Oberst Juan Perón kennen, der als Arbeitsminister populär war. Eva Duarte und Juan Perón heirateten 1945.

Evita unterstützte ihren Mann im Kampf um die Präsidentschaftswahl des Jahres 1946. Sie hatte eine eigene wöchentliche Radiosendung. Darin hielt sie populistische Ansprachen: die Armen wurden zum Aufstand aufgerufen. Obwohl sie durch ihre Radioerfolge bereits wohlhabend war, zeigte sie immer Solidarität mit den armen Menschen und betonte ihr eigenes Aufwachsen in Armut.

Aufgrund dieser Wurzeln und Neigungen hielt sie sich für geeignet, als Führerin der descamisados, der "Hemdlosen" aufzutreten. Dies war die Organisation zur politischen Unterstützung ihres Mannes Juan Perón. Nach der Wahl Peróns zum Präsidenten bekleidete Evita eine wichtige Rolle in der Regierung Argentiniens, hatte aber nie ein offizielles Amt inne. Sie rief die Eva Perón Stiftung, eine Einrichtung zur Armenhilfe ins Leben. Ebenfalls die Frauenorganisation der Peronistischen Partei. Ab 1949 war Evita Perón die einflussreichste Person Argentiniens.

Um Evita wurde ein kaum zu beschreibender Personenkults betrieben. Ihr Bild und ihr Name waren allgegenwärtig. Doch trotz ihrer Dominanz und politischen Macht - sie hatte die Kontrolle über die Angelegenheiten des Präsidenten -achtete sie darauf, die wichtige symbolische Rolle ihres Ehemannes nicht zu untergraben. Sie rechtfertigte ihr Handeln immer als von der Weisheit Peróns „inspiriert“ oder „ermutigt“. In der Ehe aber bestand nicht immer diese äußerliche Harmonie. Evita und Juan Perón hatten nie Kinder. Dies rief kontroversen Debatten über ihr Sexualleben hervor.

Evita wurde von den Angehörigen der Arbeiterklasse verehrt. Die reiche Oberschicht Argentiniens hasste sie dagegen, hob ihre ärmlichen Wurzeln hervor und führte ihre frühere Promiskuität ins Feld. Ihre Kritiker missbilligten ihre angeblich viel zu aktive Rolle in der Politik. (Zu jener Zeit durften die Frauen in Argentinien noch nicht wählen!) Dieser Hass wurde von Evita erwidert und führte zur Verfolgung von ihren Gegnern und zum Verbot der Zeitung La Prensa.

1950 ging sie auf die berühmte "Regenbogen Tour" nach Europa, wo sie etliche Staatsoberhäupter traf, darunter auch Francisco Franco. Das Ziel war, massiv Werbung für das Perón-Regime zu machen, das in der Nachkriegszeit nach dem Zweiten Weltkrieg als zunehmend faschistisch angesehen wurde. Andere Historiker betrachten diese Form der Herrschaft auch als subtropische Form einer europäischen Arbeiterpartei. Schließlich versuchte Evita 1951 ihrer Macht durch die Kandidatur zur Vizepräsidentschaft eine reelle Grundlage zu geben. Dieser Schritt verärgerte viele Militärs, die sie verachteten und ihren zunehmenden Einfluss auf die Regierung ablehnten. Unter diesem starken Druck und ihrer Erkrankung, zog Juan Perón dann ihre Nominierung zurück.

Am26. Juli 1952 starb Evita Perón mit 33 Jahren an Gebärmutterkrebs. Das Radio meldete: "Es war 20 Uhr 25 als Evita Peron, die geistige Führerin der Nation, die Unsterblichkeit erlangte."

Evitas Leichnam wurde einbalsamiert und zur Schau gestellt und nach Mailand ausgeflogen und unter dem Namen Maria Maggi de Magistris beerdigt. Nach 16 Jahren wurde der Körper exhumiert und nach Spanien überführt. Als Juan Perón nach seinem Exil als Präsident nach Argentinien zurückkehrt und 1974 dort starb, wurde auch Evitas Leiche nach Argentinien zurückgebracht. Sie wurde nun endgültig im Familiengrab der Duartes auf dem Friedhof La Recoleta in Buenos Aires bestattet.

Juan Domingo Perón

Juan Domingo Perón heiratete im Jahr 1929 seine erste Ehefrau Aurelia Tizón. Sie starb jedoch schon im September 1938.

1930 wurde Perón Mitglied des Heeresgeneralstabs und erhielt eine Titularprofessur an der Militärhochschule. Er beteiligte sich an einem Militärputsch gegen den demokratischen Präsidenten Hipólito Yrigoyen und war bis 1935 Privatsekretär des Kriegsministers.

Danach war er von 1936 bis 1939 Militärattaché in mehreren Staaten, insbesondere auch in Italien, das von Mussolini regiert wurde. Als Perón 1941 nach Argentinien zurückkehrte, gründete er mit anderen Offizieren die Geheimorganisation des GOU (Grupo de Oficiales Unidos). Dieser Bund spielte unter seiner Beteiligung als Oberst eine wichtige Rolle in dem Militärputsch gegen die zivile Regierung von Ramón Castillo. Perón war zunächst Unterstaatssekretär im Kriegsministerium, dann Sekretär für Arbeit und Wohlfahrt. Hier führte er soziale Reformen durch und erhiehlt dadurch die Sympathie großer Teile der argentinischen Bevölkerung, der Industriearbeiter und der Descamisados, der Hemdlosen. Schließlich wurde Perón im Februar 1944 Vizepräsident und Staatssekretär im Kriegsministerium. Er gründete neue Gewerkschaften und hebelte dadurch den Einfluss der traditionellen Gewerkschaften und linken Parteien aus. Seine Anhänger waren in der neuen Dachgewerkschaft, der Conferderación General del Trabajo, CGT, vereinigt.

Peróns Einfluss wuchs also - zum Missfallen führender Militärs. Seine Gegner zwangen ihn am 9. Oktober 1945 zum Rücktritt. Er wurde sogar inhaftiert. Doch gewerkschaftliche Massenkundgebungen erzwangen seine Freilassung bereits am 17. Oktober 1945. Perón hielt in der Nacht des 17. Oktobers eine Ansprache vom Balkon des Präsidentenpalastes zu 300.000 seiner Unterstützer. Es war María Eva Duarte, die diese Protestbewegung koordinierte. Am 21. 10.1945 heiratete Perón Evita. Sie war 24 Jahre jünger als er.