Die Kirche in Argentinien

Der Anteil an Katholiken in Argentinien beträgt 90 %. Jedoch nur etwa 14 % praktizieren ihren Glauben. Der hohe Anteil von Katholiken unter der argentinischen Bevölkerung ist auf den Nachlass der mittelalterlichen Siedler des Landes und ihrer Nachfolger zurückzuführen, in erster Linie auf die Spanier, aber auch Italiener.

Einen Heiligen kennt in Argentinien jedes Kind: San Cayetano. Eigentlich lautet sein Name Gaetano de Thieme. Dieser Adlige wurde 1480 in Gatea, nördlich von Neapel, geboren und 1671 heiliggesprochen und widmete sein Leben den Armen und Kranken und dem Kampf gegen die Korruption. San Cayetano wurde zunächst in Neapel nach der dortigen Pestepidemie von 1656 zum Stadtpatron, dort natürlich unter dem Namen Gaetano. Der Name Cayetano ist "verspanischt". Gaetano war zudem Gründer eines Pfandleihhauses, aus dem die Bank von Neapel entstand - das wissen allerdings nur die wenigsten.

Um die Jahrhundertwende wurden die ersten Heiligenfiguren von Neapel nach Buenos Aires gebracht. Seitdem ist San Cayetano in Argentinien der Heilige der Vorsorge (Santo de la Providencia). Und natürlich beruft man sich grade in Krisenzeiten immer wieder auf ihn: die Armen mit ihren Nöten in Form von Hunger, Arbeitslosigkeit und Schulden.

Die Kirche in Argentinien hat ein Problem: ihre Mitglieder schwinden, weil sie sich von ihr im Stich gelassen sehen. Denn traditionell stand sie immer auf der Seite der politischen oder militärischen Machthaber. Wie immer, wenn die Arbeiterschaft in Bedrängnis gerät, ist der Ruf nach dem Kommunismus nicht weit - vor allem, wenn der Ruf nach der Kirche vergebens ist.

Aber die Kirche kennt die Ursachen ihres Problems und geht dagegen - mittlerweile mit Erfolg - an. Zu nennen sind insbesondere das Engagement der Priester mit Bezug zur Arbeiterschicht, die offen für die Rechte und gegen die Not der Armen eintreten. Oder die Spontanfeiern vieler Pfarreien, die im Gegensatz zu den normalen Sonntagspredigen, viele Menschen in ihren Bann ziehen. In diesen Messen wird der Heilige Geist beschworen. Der Vatikan duldet dies. Kritiker sprechen von katholischem Macumba. Die praktizierenden Priester hingegen sprechen von einer Demokratisierung der althergebrachten Kirchenstrukturen. Auch die katholischen Bischöfe Argentiniens kreiden heute die Missstände, Arbeitslosigkeit, Ausbeutung der Arbeiter und Korruption an. Die Kirche geht auf Distanz vom Staat und hat sogar auf alle staatlichen Zuwendungen verzichtet, auf die es nach der Verfassung Anspruch hat.